Wenn man Passanten nach dem ehemaligen Rathaus fragt, so trifft man nur noch selten jemanden, der an die nostalgischen Bilder von zahlreich abgehaltenen Bezirksverordnetenversammlungen denkt – das war einmal. Heute steht das Rathaus Wilmersdorf für gute Integration, starkes Engagement und als Beispiel dafür, dass eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen möglich sein kann. Das Rathaus Wilmersdorf ist ein perfektes Gegenbeispiel zu Clausnitz.
Sicherlich gibt es auch hier Probleme, doch werden diese nicht unter den Teppich gekehrt. Man begegnet ihnen mit Tatkraft und glücklicherweise mit vielen ehren- und hauptamtlichen Helferinnen und Helfern.

Am 12. Februar 2016 hatte Lukas Krieger, Abgeordnetenhauskandidat für den Wahlkreis „Schmargendorf, Rüdesheimer Platz, Wilmersdorf West“, die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von der Flüchtlingsnotunterkunft „Rathaus Wilmersdorf“ zu machen. Der Leiter, Herr Thomas de Vachroi, und sein Stellvertreter Philipp Bertram schilderten mir, wie sich ein normaler Tagesablauf gestaltet. Oft beginnt der Arbeitstag für den Heimleiter schon um 6 Uhr, und bereits zu dieser frühen Zeit stehen Flüchtlinge vor dem Büro und benötigen Hilfe zu verschiedensten Problemen. Da ist Einfühlungsvermögen und klares Handeln gefordert.

Es gibt aber auch lockere Momente, die kurz von der nicht einfachen Arbeit ablenken und den Flüchtlingen Farbe in den täglichen Alltag bringen. Am Tag meines Besuches war die Aufregung sehr groß: Filmstar George Clooney hatte sich auf eine Stippvisite angekündigt. Andere große Bekanntheiten waren bereits hier wie Bundespräsident Joachim Gauck, Filmstar Ben Stiller und andere. Inzwischen haben sich die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, wie auch die Bewohner, an den fast alltäglichen Pressetrubel gewöhnt.

Nach einer kurzen Vorstellung führte mich die Mitarbeiterin Patricia Ehret durch die einzelnen Bereiche der Unterkunft. Die dortige Infrastruktur hat sich durch die Zeit immens entwickelt. Mittlerweile gibt es einen Friseur, der von Bewohnern selbstständig betrieben wird, sowie ein kleines medizinisches Vorsorgezentrum mit einer eigenen Gynäkologie-Abteilung. Denn inzwischen zählt man im Rathaus Wilmersdorf schon 37 Säuglinge.

Ausgabe für Kleidung oder Mahlzeiten werden sehr strickt organisiert, um Streitereien zu verhindern.
Aktuell werden 1151 Bewohnerinnen und Bewohner beherbergt, vornehmlich handelt es sich um Familien mit Kindern aus Syrien, Afghanistan und Iran.

Das Rathaus Wilmersdorf hat das geschafft, was keiner gedacht hätte: Es ist zu einer der vorbildlichsten Flüchtlingsunterkünfte Deutschlands geworden. Das Bezirksamt oder das Bürgeramt sind hier kein Thema mehr. Ein gutes Zusammenleben, trotz großer Hürden, steht nun im Vordergrund. Und das Rathaus Wilmersdorf ist auf dem besten Wege dahin. 




Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe der „Charlottenburg-Wilmersdorf Rundschau“ (Nr.1 / 2016) erschienen.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal bei Herrn Vachroi und allen Beteiligten für die Organisation meines Besuches bedanken. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die das Rathaus zu dem machen, was es nun ist. Und ich werde, als Ihr Abgeordnetenhauskandidat für den Wahlkreis „Schmargendorf, Rüdesheimer Platz, Wilmersdorf West“, die Unterkunft und die Menschen dort mit voller Kraft unterstützen. Denn das „neue“ Rathaus Wilmersdorf hat es verdient!